Flüchtlinge

Ich bin gerade daran vorbei gefahren. Das sogenannte Containerdorf steht direkt an der Bahnstrecke, die Anderten von Misburg trennt. Es ist eine Notlösung. Schließlich nimmt Hannover dieses Jahr 2200 Flüchtlinge auf. Die Bildzeitung sagt, sie muss. Über die Bahnstrecke neben dem Containerdorf führt eine Brücke. An einem der Pfosten steht mit schwarzer Farbe „Nationaler Sozialismus, Jetzt!“.

Ich bin heute unausgeglichen und genervt. Das ist nicht gut, denn das Graffiti will mir nicht aus dem Kopf gehen. Was sind das für Menschen, die solch menschenverachtenden Ideologien nachsehnen? Warum sind sie so vergiftet? Ich schüttle den Gedanken ab. Meine Empathie geht dafür nicht weit genug.

Seit Anfang 2014 arbeite ich ehrenamtlich im Unterstützerkreis Flüchtlingsheime mit. Seitdem haben Flüchtlinge für mich Namen und Gesichter bekommen, und es ist für mich noch schwerer geworden, Verständnis aufzubringen für Menschen, die die Aufnahme von notleidenden Menschen in unserer „Festung Europa“ kritisieren. Leider scheint diese Kritik nicht mehr nur von NPD-Anhängern zu kommen. Insbesondere die Pegida-Bewegung will uns weismachen, dass sie die Mitte der Gesellschaft repräsentieren. Ob nun Mitte oder nicht, erschreckend ist die Anzahl derer, die besorgt und wütend sind. Sie sind zu finden in den sozialen Netzwerken und auf Pegida Demos. In Dresden „spazierten“ zwischenzeitlich 25.000 Menschen auf Seiten der sogenannten Islamkritiker. Im Januar 2015 fand auch in Hannover eine Pegida-Demo statt. 200 dafür und 19.000 dagegen. Für mich ein überwältigendes Erlebnis. Es spiegelt das wieder, was ich seit Monaten im Unterstützerkreis erlebe: Es gibt viele Menschen in Hannover, die sich Gedanken machen, die Nein sagen zur Ausgrenzung. Sie fühlen sich durch die harsche Kritik der Einwanderungsgegner eher angetrieben als abgeschreckt und strömen zu den Runden der Nachbarschaftskreise und Vereinstreffen, so dass diese aus allen Nähten platzen.

Aber so wie in Hannover scheint es vielerorts in Ostdeutschland nicht zuzugehen. Wo Bürgermeister aus Angst vor Nazis zurücktreten, die Polizei von Rechten unterwandert ist und regelmäßig Flüchtlingsheime brennen. Das Paradoxe dabei: in den neuen Bundesländern leben viel weniger Flüchtlinge und Ausländer als in den alten. In Sachsen liegt der Ausländeranteil geschätzt sogar nur bei um 0,1 Prozent.

Entsprechend scheinen die Angst vor Islamisierung und Überfremdung eher Fantasiegebilde zu sein, die leider nicht einmal durch Fakten ins Wanken zu bringen sind. So haben die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass einen Überschuss von 22 Milliarden Euro erwirtschaftet und das Sozialsystem im Durchschnitt gestützt und nicht belastet. Trotzdem hält sich das Klischee des sozial-schmarotzenden Ausländers hartnäckig.

Was die Menschen der Pegida-Bewegung wirklich brauchen, sind nicht weniger Ausländer, sondern mehr alltägliche Realität. Unter meinen Kollegen und Freunden sind viele Ausländer und sie erfüllen keines der verbreiteten Ressentiments der neuen rechten Bewegung. Natürlich gibt es auch die Unangepassten und Kriminellen, aber sie sind die Ausnahme und nicht die Regel. Ebenso würde ich zu gerne mal einen der Dresdener „Spaziergänger“ an die Hand nehmen und ihm mein Flüchtlingsheim zeigen. Wer einmal die afrikanischen Kinder vor dem Heim im ersten Schnee ihres Lebens beobachtet, und die Dankbarkeit und Wärme vieler Flüchtlinge erlebt hat, der wird kaum ruhigen Gewissens ihre Abschiebung fordern können.

Widerstand gegen die Wegwerfgesellschaft

Die nagelneue, schlank-durchgestylte Kompaktkamera knallt mit voller Wucht auf den Fußboden. Knack! Auf den ersten Blick funktioniert noch alles. Aber was ist das? Das Glasplättchen, das die Linse vor Beschädigungen schützen soll, hat einen Riss. Die Kamera tut nach wie vor ihren Dienst, doch nun zieht sich eine breite milchige Spur durch jedes Foto. Die Nachfrage bei mehreren Fotofachgeschäften ergibt: die Kosten für das Austauschen des kleinen Glasplättchens, das so tapfer Schlimmeres verhindert hat, übersteigen bei Weitem den Anschaffungspreis der Kamera.

Das Konsum-Dilemma

Es ist paradox: Für die Herstellung, Verpackung und Transport dieses kleinen High-Tech-Wunders wurden wertvolle Ressourcen verbraucht, wie Erdöl, Wasser und insbesondere Metalle. Wie in allen Produkten mit Mikroprozessoren wurden hier seltene Erden verwendet, deren Abbau zumeist den Einsatz von Säuren erfordert. Insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent werden durch die Folgen dieses Abbaus Flüsse und ganze Landstriche verseucht. Der sogenannte ökologische Fußabdruck der meisten Elektrogeräte ist verheerend. Ein HP-Drucker etwa verursacht während seiner Produktion so viel CO2 wie 4 Bäume in 70 Jahren absorbieren können. Da wäre es doch naheliegend dafür zu sorgen, das Produkte haltbar und vor allem reparierbar produziert werden. Das Gegenteil ist der Fall. Immer mehr Produkte werden absichtlich so hergestellt, dass sie nach einer Weile kaputt gehen oder sich gar selbst zerstören. Alles im Sinne einer Überflussgesellschaft, die der Wirtschaft durch exzessiven Konsum ewiges Wachstum bescheren soll – auf Kosten der Umwelt.

Bewusstsein

Leider scheint es sich in Deutschland etabliert zu haben, immer alles neu zu kaufen. Kein Wunder: die meisten Waren können bequem von der Couch aus bestellt werden und stehen nach einem Wimpernschlag im Wohnzimmer. Da der erste Reflex fast immer der Neukauf ist, wird auf den Gebrauchtmarkt eher selten zugegriffen, auch wenn dort gute Waren zum Bruchteil des Originalpreises angeboten werden. Weil für die meisten Menschen in Deutschland keine wirtschaftliche Notwendigkeit besteht, entwickelt sich nur langsam ein Bewusstsein für die momentane Verschwendung von Rohstoffen. Aber ein Trend zum verantwortlichen Konsum ist da, das zeigen Organisationen wie z.B. Freecycle, die dafür sorgen, dass gute Sachen nicht auf dem Müll landen.

Gewissensbisse und eine Idee

Als technikbegeisterter Gadget-Sammler kaufe ich Geräte aus so ziemlich jeder Gattung. Vom Smartphone über die Action-Cam bis hin zur SSD-Festplatte ist nichts vor meiner Kreditkarte sicher. Immer mit dabei: das schlechte Gewissen. Um dieses wenigstens etwas zu beruhigen, beschloss ich wenigstens dafür zu sorgen, dass meine nicht mehr genutzten Geräte ein zweites Leben bekamen. Doch damit nicht genug auch die im Keller gelagerten Möbel, CDs und Filme warteten nur auf ihre Reinkarnation. Versüßt wurde das Ganze durch die Aussicht auf einen gewissen Resterlös für den alten Krempel.

Good stuff for free

Los ging es mit einem Wohnzimmertisch, einem Schreibtisch und einem Sofa. Da ein Umzug vor der Tür stand sollten die Sachen möglichst schnell an den Mann gebracht werden, daher sollte der Kaufpreis möglichst kundenfreundlich gestaltet werden. Alle drei Möbelstücke wurden in gutem Zustand für sagenhafte null Euro bei einem bekannten Kleinanzeigenanbieter eingestellt. Als nach Tagen noch kein Interessent gefunden war, riet mir meine Freundin dazu, den Kaufpreis etwas zu erhöhen. Ich wollte beim besten Willen nicht begreifen, wie das helfen sollte, probierte es jedoch aus. Erstaunlicherweise gingen in den folgenden Tagen mehrere Anrufe ein. Besonders anspruchsvolle Kunden wünschten eine kostenlose Sofortlieferung. Diesem Wunsch konnte ich nicht nachkommen, jedoch fand sich tatsächlich ein ernsthafter Interessent für das Sofa. Der potentielle, männliche Käufer vereinbarte einen Termin, erschien dann jedoch unerwartet nicht. Im Laufe des nächsten Tages meldete er sich doch noch, um erneut um einen Termin für den Abend zu bitten. Mit nur einer Stunde Verspätung klingelte anschließend ein hagerer, jedoch brutal aussehender Mann an unserer Tür. Begleitet wurde er von einer etwas untersetzen Frau, deren Gesicht ein knall-grünes Veilchen zierte. Mit kritischem Blick inspizierte er das braune Sitzmöbel. Anscheinend waren die gut ausgeleuchteten 18-Megapixel-Aufnahmen und die Beschreibung in der Anzeige noch nicht aussagekräftig genug gewesen, denn er war nur zur Besichtigung des Sofas gekommen und hatte daher auch nicht das passende Auto für den Transport dabei. Unglaublich: unterm Strich waren also drei Termine notwendig, um ein neu bezogenes Sofa für 10 EUR zu verramschen. Ich habe schon von Immobilienmaklern gehört, die bei Ihren Verkäufen effektiver sind. Der Mann mit dem brutalen Gesicht war begeistert und versprach sich zu melden, wenn er ein ausreichend großes Transportvehikel besorgt hätte. Ich hörte nie wieder von ihm. Dies war die erste von vielen interessanten, skurrilen und ärgerlichen Begegnungen, die ich dem Abenteuer Kleinanzeige zu verdanken habe. Diese endete leider mit drei tadellosen Möbelstücken auf dem Sperrmüll.

Der 24-Stunden-Service

Ein weiteres Highlight ereignete sich erst vor einigen Tagen. Ein Mann namens Ralf (Name von der Redaktion nicht geändert) meldete sich auf eine Kleinanzeige, in der ich meine kaum benutze Bluetooth-Maus inklusive Anleitung für 5 Euro anbot. Der Interessent wollte genau wissen wie alt und in welchem Zustand die Maus war. Bereitwillig beantwortete ich ihm alle Fragen, erklärte ihm sogar die Funktionsweise von Bluetooth, da er durchblicken lies den Unterschied zwischen einer herkömmlichen Funk-Maus und einer Bluetooth-Maus nicht zu kennen. Wir vereinbarten einen Termin. Pünktlich zur vereinbarten Zeit stand nun Ralf – um die 40, Halbglatze, Brille, knapp 2 Meter groß – vor meiner Tür. Gewissenhaft kontrollierte er die Maus auf optische Mängel, drückte mir einen Schein in die Hand und verabschiedete sich. Schon auf der Türschwelle schob er noch nach: „Ich hoffe die Maus funktioniert. Ansonsten kann ich ganz schön unbequem werden“. Bei diesen Worten stellten sich bei mir die Nackenhaare auf. Ein offensichtlicher PC-Anfänger mit einer neuen Hardware-Komponente, die es nun galt einzurichten, das konnte ja nicht gutgehen. Nicht einmal eine halbe Stunde später empfing ich eine Mail in der Ralf mit bereits deutlich gereiztem Unterton erklärte, die Maus ließe sich nicht installieren. Geduldig formulierte ich eine Mail mit Anweisungen wie die Maus zu installieren wäre. Anschließend war Ralf einen Schritt weiter, behauptete jedoch nun die Maus wäre nicht mit Windows 7 kompatibel. Darauf antwortete ich ihm, ich hätte die Maus ausschließlich unter dieser Betriebssystemversion betrieben und gab noch einige Hinweise, was er bei der Installation evtl. vergessen haben könnte. Inzwischen war es nach acht und ich schaltete den PC aus, um mich nun auf dem Sofa der Fussball-EM hinzugeben. Auf dem Weg ins Bett etwa 2 Stunden später warf ich einen Blick auf mein Smartphone: zwei Mails von Ralf. In der Ersten von 20:25 Uhr formulierte er weitere Fragen zur Einrichtung der Maus. In der Zweiten, mit vielen Ausrufezeichen versehenen Mail von 21:36 Uhr empörte sich Ralf über die offensichtliche Beendigung meiner technischen Unterstützung. Seinem Frust verlieh er zudem durch eine Drohung ausdruck. Ich – nun ebenfalls gereizt – antwortete, er könne die Maus gerne zu mir zurückbringen, jedoch würde ich keinerlei weiteren Rund-um-die-Uhr-Gratis-Support leisten. So stand Ralf nun am nächsten Abend wieder vor meiner Haustür. Wortlos tauschten wir Maus gegen Geld. Ich schloss die Tür mit Nachdruck und ärgerte mich insgesamt 1,5 Stunden Zeit fehlinvestiert zu haben. Meine einzige kleine Genugtuung war, dass die Maus natürlich problemlos funktionierte, und dass nun hoffentlich jemand sympathischeres seine Freude an dem Gerät haben würde.

Kleinanzeigen – eine Welt mit eigenen Regeln

Einen Wiederverwender für ältere Geräte mit geringem Wert zu finden ist nicht einfach. Man wird zwar bei Ebay fast alles los, jedoch ist dies immer mit wesentlichem Mehraufwand für Angebotserstellung und Versand verbunden. Für mich kam diese Plattform daher meist nicht in Frage. Kostenlose Kleinanzeigen hingegen bedeuten wesentlich weniger Aufwand und bieten den Vorteil, dass die potentielle Kundschaft bei einem zu Hause aufschlagen kann. Die Kontaktaufnahme gestaltet sich dabei oftmals kurios, was oft am minimalistischen Stil der Anfragen liegt. Eine Anrede oder Schlussformel scheinen grundsätzlich überflüssig zu sein. Auch kann die Anfrage durchaus aus Satzfragmenten bestehen. Manchmal besteht der Mailtext nur aus der Aufforderung „Anrufen: (…)“ oder dem Betrag des Gegenangebots. Doch die meisten dieser sparsamen Konversationen führen anschließend zu interessanten Begegnungen und zu dem ein oder anderen netten Gespräch.

Ökonomie versus Ökologie

Wer behauptet das Verkaufen seiner alten, aber noch guten Sachen wäre ein schlechtes Geschäft, der hat wahrscheinlich meistens recht. Wenn man den Aufwand für das Photographieren der Sachen, das Einstellen auf der Kleinanzeigen-Plattform, die Geschäftsanbahnung, den Verkauf und ggf. freiwillige Zusatzservices (siehe oben) addiert, so kommt man im Schnitt selten auf einen vernünftigen Stundenlohn. Aber das ist der falsche Denkansatz. Man sollte daran denken, dass man jemandem eine Freude machen und gleichzeitig eine Menge Umweltbelastung vermeiden kann. Und, mal abgesehen von der nun vor Altruismus schwellenden Brust, ist es nicht ein hervorragendes Gefühl sein Leben etwas zu entrümpeln?

Und auch wenn das Verkaufen und Verschenken mal zu anstrengenden, frustrierenden oder seltsamen Begegnungen führt, im Zweifel hat man dafür anschließend eine gute Geschichte zu erzählen.

Motiv ermittelt

Das Motiv für den Amoklauf in Lörrach konnte nach Insiderinformationen bereits jetzt ermittelt werden; auf Grund der Tragweite will die Polizei jedoch mit einer Veröffentlichung bis zur Pressekonferenz um 16:00 Uhr warten.

Die 41 jährige Rechtsanwältin erschoss am 19.09.2010 mit einer kleinkalibrigen Faustfeuerwaffe ihren Ehemann und ihren Sohn und löste anschließend durch Brandbeschleuniger in der Wohnung eine Explosion aus. Im benachbarten Elisabethen-Krankenhaus verletzte die Frau daraufhin einen Pfleger mit Stichwunden tödlich und verwundete durch Schüsse mehrere Pfleger, bis sie von der Polizei durch den Einsatz von Schusswaffen aus dem Verkehr gezogen werden konnte.

Nach ersten Ermittlungsergebnissen scheinen die Motive nun geklärt zu sein: „Wir sind sehr überrascht und schockiert von den Ergebnissen der Ermittlung“, so Polizeioberkommissar Rebal am Vormittag. Durch den Einsatz modernster Technik konnte der Zustand des völlig zerstörten Computer des ehemaligen Lebensgefährten der Täterin wiederhergestellt werden. Offensichtlich benutzte die Frau diesen, um das bekannte Killerspiel „Die Sims“ (Version noch unbekannt) zu spielen. Weitere Details konnten nicht ermittelt werden; es ist jedoch davon auszugehen, dass in dem Spiel ihr Alter Ego durch einen Einbrecher brutal vergewaltigt und getötet wurde, was für die Frau das Fass zum Überlaufen brachte.

Weiterhin konnten durch die aufwendige Rekonstruktionen einer verbrannten Zeitung aus dieser ausgeschnittene Buchstaben ermittelt werden. Auf Grund des hohen Grades an Verbrennung ließen sich jedoch lediglich die Worte „Die“ sowie „und“ rekonstruieren, wodurch auf einen terroristisch motivierten Hintergrund geschlossen werden kann. Mutmaßlich diente die Tötung des Pflegers in dem Krankenhaus weiter reichenden Zwecken als zunächst angenommen. Nur das mutige Eingreifen der Polizeibeamten konnte eine Katastrophe mit möglicherweise globalen Folgen verhindern.

Als erste Reaktion auf die Ermittlungsergebnisse kündigte CSU-Innenpolitikerin Möschlag-Gemirrhausen an, unmittelbar dafür sorgen zu wollen, dass die Sicherheit im Raum der Bundesrepublik Deutschland wiederhergestellt wird. Dem unmittelbar in Kraft getretenen Verbot für Killerspiele soll am Nachmittag die Reaktivierung des Zugangserschwernisgesetzes folgen, so dass der Zugang zu Kinderpornographie praktisch unmöglich wird und in der Folge solch schreckliche Taten, wie ganz Deutschland sie am gestrigen Sonntag erleben musste, der Vergangenheit angehören.

Wenn Demokratie die Herrschaft des Volkes ist, was haben wir dann?

Wenn die Staatsoberhäupter der „freien“ Welt, wie Merkel, Brown oder Obama mit Stolz geschwellter Brust die Demokratie preisen, dann muss ich zwangsläufig schmunzeln. Für mich ist der Begriff Demokratie inzwischen ausgelutscht und hohl. Dabei denke ich mir oft man sollte sich auf die ursprüngliche Definition, wie sie sich z.B. in der Weimarer Republik manifestierte, zurückbesinnen und sich fragen: Leben wir in einer Demokratie in diesem Sinne?

Warum ist es eigentlich so, dass die Regierung gegen den Willen des Volkes und gegen das öffentliche Interesse Entscheidungen trifft und Gesetzte verabschiedet. Seien es Schäubles grundrechtgefährdende Sicherheitsgesetze zur Vorratsdatenspeicherung oder die nächste Mehrwertsteuererhöhung, es passiert immer wieder. Und dann gibt es noch diese perfiden Täuschungsmanöver, wie z.B. Internetsperren, die vordergründig die Verbreitung von Kinderpornographie verhindern sollen, jedoch tatsächlich einen neue Ära der staatliche Internetzensur und -kontrolle einleuten. Selbst eine 130.000 Unterschriften starke Petition scheint die Politkaste nicht von diesem Vorhaben abbringen zu können. Doch das ist nicht die Spitze des Eisbergs.
Sehr deutlich wurde mir vor einigen Tagen ein weiterer Aspekt, der unsere Demokratie davon abhält demokratisch zu sein: Die Machtlosigkeit unserer Regierung!

Da bezahlt die Solidargemeinschaft Deutschland Milliarden an Banken um die Finanzmärkte zu stabilisieren und ermahnt sie sich zukünftig verantwortungsbewusster zu verhalten. Wenige Monate später dürfen wir erfahren, was mit unserem Geld passiert ist: Grosse Teile werden in Manager-Gehälter, Manager-Boni / Manager-Prämien „investiert“ . Auch die viel propagierte 500.000€-Grenze für Manager-Gehälter von unterstützten Banken scheint ins Leere zu laufen.

Verwunderlicherweise denkt selbst unser Wirtschaftsminister Herr von und zu Guttenberg trotz ausgeprägter Sozialismus-Phobie laut über die Zwangsverwaltung unterstützter Banken nach. Man kommt diese Tage nicht mehr aus dem Staunen… Selbst die kapitalismus-gläubigen Amerikaner haben von den gierigen Bankern die Schnauze voll.

Kaum jemand wird bezweifeln, dass Banken eine Menge Einfluss auf die Wirtschaft und somit auf unser tägliches Leben haben. Bei der Verantwortung, die diese Institutionen in unserer Gesellschaft tragen, finde ich es geradezu untragbar, dass Banken Milliardengewinne erwirtschaften. Wozu kurzfristiger Gewinndruck führt konnten wir in den letzten Monaten eindrucksvoll am eigenen Leib erfahren…
Statt die Finanzmärkte zu regeln überlässt es die Regierung offenbar den Bankern verantwortungsbewusst zu handeln und damit den sozialen Frieden zu erhalten, obwohl tägliche Meldungen zu beweisen scheinen, dass sie keinen Funken Anstand besitzen.Bei den Maßnahmen der Regierung gegen die Wirtschaftskrise ging es um reine Symptombekämpfung. Keine Regierung stellte das System in Frage, um nachhaltige Lösungen zu finden.

Wer wundert sich dann noch, wenn in Berlin Autos in Flammen aufgehen? Ich nicht! Umso schlimmer finde ich die Diskussion, wie mit den „Tätern“ umgegangen werden soll. Kein Mensch scheint sich für die Motive dieser Menschen zu interessieren. Stattdessen wird mit übertriebener Härte vorgegangen, wie der Fall von Alexandra R. zeigt, die seit Mitte Mai in U-Haft festgehalten wird.
Wenn ich so über die vergangenen Monate sinniere, dann sehe ich einen Staat, der auf der einen Seite ein korruptes System stützt und auf der anderen Seite jedwede Form sozialer Unruhen oder Aufbegehren mit ganzer Kraft unterdrückt.

Wenn durch den Einsatz des staatlichen Internetfilters demnächst unbequeme, nonkonforme Blogs aus dem Internet verschwinden, wissen wir was die Stunde geschlagen hat…

Tankman

Als ich heute morgen im Frühstücksraum meines Hotels ein Exemplar einer großen deutschen Tageszeitung in die Hände nahm, fiel mir sofort ein Bild ins Auge: Der „Tankman„.

Dieses Bild, am 5.Juni 1989 geschossen, zeigt einen etwa 20-jährigen jungen Mann auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking, der drei, in Kolonne fahrende Panzer an der Weiterfahrt hindert. Hintergund dieser Szene waren Studentenaufstände in der Hauptstadt, die kurz zuvor blutig durch chinesische Regierungstruppen niedergeschlagen worden waren. Dieses bis heute beispiellose Massaker kostete 3.000 Menschen das Leben.

Doch wie von diesen Ereignissen unbeeindruckt stellt sich dieser junge Mann den Panzern in den Weg. Glücklicherweise zerren ihn einige beistehende Demonstranten nach einigen Minuten von der Strasse, so dass der Tankman nie gefasst wird. Diese Szene verdeutlicht für mich eindrucksvoll die Macht des gewaltlosen Widerstands. Die Symbolkraft dieser Szene ist ohne Gleichen und sollte uns jeden Tag daran erinnern für unsere Ideale einzustehen. Besonders in den heutigen Zeiten, in denen soziale Ungerechtigkeit, Armut und ein zutiefst unmoralisches Wirtschaftssystem unsereren Gerechtigkeitssinn auf die Probe stellen. Es ist ein Apell an alle, die „Da kann man eh nichts machen“ auf der Stirn tragen. Der bis heute anonyme Tankman hat uns gezeigt, dass ein Mensch die Welt verändern kann.