Welch ein Glück, alles bricht zusammen

Und wieder gibt es einen Beitrag über das Radio. Um genau zu sein, sind es eigentlich zwei: Über das eine Thema, den Umgang des Radios mit der Finanzkrise, wollte ich eigentlich schon früher schreiben, das andere hat mich heute morgen mal wieder eingeholt: Glücks- oder Gewinnspiele im Radio. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, dass sich das Phänomen des Fernsehens – immer kleinere Preise bei gleichen Anrufskosten – auch auf dieses beschränkt, doch ist dem offensichtlich nicht so. Im Radio kann man ab jetzt einen unfassbaren Preis gewinnen: Ein Buch! Wunderbar, dachte ich mir, die Möglichkeit unter zehntausenden Anrufern (die alle 14 Cent pro Anruf zahlen und dem Radiosender so zu mehreren tausend Euro verhelfen) derjenige zu sein, der ein ganzes Buch gewinnt, habe ich mir schon immer gewünscht! Aber dann kam der Haken: Das Buch darf ich mir als glücklicher Gewinner gar nicht selbst aussuchen – es ist einfach ein willkürlich nach meinem Nachnamen gewähltes Buch. Also habe ich mir die 14 Cent lieber gespart.

Unbeliebt gemacht hat sich das Radio bei mir aber auch schon vorher; inzwischen dürften jedoch alle bereits reichlich über das Thema Finanzmarktkrise informiert sein, weshalb ich dieses Mal nur die Kurzform schreibe.

Meiner Meinung nach gibt es zwei große Probleme, die zu der aktuellen Krise geführt haben. Zum Einen das Unvermögen der Banken, mit dem Geld anderer Leute verantwortungsbewusst zu wirtschaften. Zum Anderen Medien, die mit der Angst der Menschen spielen. Auf den zweiten Punkt möchte ich genauer eingehen.

Medien sind glücklich, wenn in der Welt etwas schlecht läuft, denn dann ist es einfacher, „tiefschürfende“ Artikel zu schreiben, die auf allgemeines Interesse stoßen. Einige Zeitungsblätter leben sogar ausschließlich davon, mit skandalträchtige Artikeln das Interesse des potentiellen Lesers zu wecken. Genau so ist es auch bei der Finanzmarktkrise gelaufen: Banken haben Probleme, Medien schlachten das Thema aus, schüren die Angst der Leser und steigern durch das gestiegene Informationsinteresse ihre Abnahmezahlen. Ein weiterer, von den Medien in Kauf genommener Effekt der verursachten Angst liegt darin, dass Bürger anfangen, ihr Geld von den Banken abzuheben und somit die Situation der Banken weiter zu verschlechtern.

Das hat auch die Politik erkannt, so dass Frau Merkel sich genötigt sah, ein Versprechen abzugeben: Sie versprach, dass die Einlagen der Bürger bei den Banken sicher sind; dass im Zweifel der Staat für die Einlagen aufkommen werde. Dies tat sie wohl in der Hoffnung, damit die von den Medien verursachte Angst zu verringern und den Run auf die Spareinlagen zu stoppen. Im Radio wurde nun mit der Bekanntgabe des Versprechens es mit eben jenem nicht eingehaltenen Versprechen von Norbert Blüm („Die Renten sind sicher“) verglichen. Das ist in dieser Situation für die Volkswirtschaft wohl das schädlichste, dass der Radiosender machen konnte. Der Versuch der Politik, die von den Medien verursachten Schäden zu beheben wird bombardiert, und wofür? Nur für etwas höhere Einschaltquoten.

Ich bin gespannt, ob im Rückblick die Masse der Menschen ebenfalls zu diesen Schlüssen kommt. Dann könnte dies nämlich übel für die Medien ausgehen, Glück für sie, dass der Scheiterhaufen abgeschafft wurde.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.