Warum Sachleistungen für Flüchtlinge mittelbar Fremdenfeindlichkeit schüren.

Laut einer Umfrage des Politbarometer Wahlen befürworten 69% der Befragten Sachleistungen statt Geldleistungen für Flüchtlinge.

Dieses Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht für jene, die sich für eine echte Willkommenskultur stark machen und ein Beleg für die Wirksamkeit von populistischen, aber völlig irreführenden Wortmeldungen namhafter Politiker. Unter anderem sprachen sich in den letzten Wochen De Maiziere, Bundesinnenminister, CDU; Bouffier, Ministerpräsident von Hessen, CDU und CSU Innenminister Herrmann für Sachleistungen aus. Begründet wird dies damit, dass das Taschengeld, welches bisher bezahlt wird, ein Anreiz für viele Menschen aus den südosteuropäischen Ländern sei, nach Deutschland zu kommen.

Obgleich darüber gestritten werden kann, ob die Menschen aus besagten Ländern nun wegen finanzieller Leistungen nach Deutschland aufbrechen oder aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen, sind derartige Vorschläge schon aus ganz anderen Gründen verwerflich.

  1. Offensichtlich wird davon ausgegangen, dass man mit Sachleistungen Geld einsparen würde. Zumindest soll dies aber der deutsche Bürger glauben. Zu bedenken ist aber, dass auch Sachleistungen beschafft werden müssen. Die Beschaffung also vorab Geld kostet. Zudem muss ein logistischer und verwaltungstechnischer Aufwand betrieben werden, um eine adäquate, den Bedürfnissen der Migranten entsprechende Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs zu gewährleisten.

  2. Die Forderung nach Sachleistungen wird ferner damit legitimiert, dass Menschen aufgrund besserer Bedingungen nach Deutschland kommen. Indem man ihnen das Taschengeld vorenthält, sollen sie angeblich daran gehindert werden nach Deutschland zu kommen.

    Es gibt keinen echten Beleg dafür, dass Personen ihre Heimat nur für Sozialleistungen verlassen. Vielmehr erhoffen sie sich eine Verbesserung ihrer ökonomischen Verhältnisse durch eine bessere Arbeit. Selbstverständlich verlassen Menschen daher aufgrund fehlender ökonomischer Perspektiven ihre Heimat. Was uns zum nächsten Punkt führt.

  3. Geht man davon aus, dass Menschen ihren Wohnort wechseln, weil an ihrem bisherigen die ökonomischen Perspektiven eher schlecht sind, wird dies meist zur Kenntnis genommen, ja von Seiten der Wirtschaft sogar begrüßt. Menschen sollen doch flexibel sein und einen Umzug für bessere Jobs in kauf nehmen. Zuletzt hieß es sogar Deutsche könnten sich an den US-Amerikanern ein Vorbild nehmen, weil es für diese völlig normal sei, für eine bessere Arbeit den Wohnort zu wechseln. Verlassen nun aber Menschen anderer Nationalitäten aus genau diesem Grund ihre Heimat, soll dies auf einmal ein Problem sein. Die Gründe liegen in einer ethnozentrischen Sichtweise:

    Da es sich bei den hierbei angesprochenen Menschen um Personen eines anderen Landes genauer einer anderen, fremden Ethnie handelt, wird die Angst vor einer angeblichen Überfremdung durch Menschen aus anderen Kulturen populistisch ausgenutzt, um in der Bevölkerung Ablehnung gegenüber weiteren Wirtschaftsflüchtlingen zu erzeugen.

  4. Bestimmte Politiker betreiben dabei ein gefährliches Spiel. Ihre Aussagen sind keineswegs unmittelbar fremdenfeindlich zu verstehen. Sie verweisen schließlich nur auf ein finanzielles Dilemma: Mehr Flüchtlinge bedeuten zuerst höhere Ausgaben für Bund und Länder und Belastungen für Kommunen und Gemeinden in denen improvisierte Flüchtlingslager errichtet werden. Allerdings widersprechen die Aussagen einer echten Willkommenskultur. Menschen kommen mehrheitlich nicht als Sozialschmarotzer nach Deutschland. Der ohnehin fehlgeleitete Begriff Taschengeld suggeriert aber, dass sich hier Menschen auf Kosten des Staates, letztlich des hart arbeitenden deutschen Steuerzahlers ein schönes Leben machen können. Hat man aber schon mal daran gedacht, dass viele dieser Menschen gerne in ihrer Heimat bleiben würden, da sie dort aufgewachsen sind, ihre Familie und Freunde dort beheimatet sind und sie ihr Land und seine Kultur schätzen?

Menschen mit fremdenfeindlichen Einstellungen werden auf diese Weise ohne Grund Argumente geliefert. Indirekt werden sich die Menschen, die gegen Flüchtlinge demonstrieren oder Petitionen gegen Flüchtlingseinrichtungen einreichen, weil ihre Grundstücke angeblich an Wert verlieren werden, in ihren kruden Ansichten bestätigt fühlen.

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