Uninteressant, unwichtig und unfassbar

Uninteressant: Die Beiträge der F.A.Z. bzw. deren Internetseite sind im Normalfall durchaus lesenswert, gut recherchiert und interessant geschrieben. Da verwundert es doch etwas, dass es scheinbar nötig ist, auf der Startseite Blogeinträge zu verlinken, die an Banalität selbst Meldungen gängiger Boulevardzeitungen übertreffen. So gesehen bei dem Artikel „Call-a-Bike: Anruf genügt nicht„.

Im Wesentlichen geht es in diesem Artikel darum, dass ein Otto N. zwar über die Internetseite des Fahrrad-Miet-Angebots der Bahn ein Fahrrad finden konnte, er jedoch bei einem (!) Anruf nicht die gewünschte Auskunft erhalten hat und deshalb doch erst den Weg zu einem Rechner mit Internetzugang zurücklegen musste. Wie schlimm.

Bei allem Verständnis für individuelle Abneigungen der Bahn gegenüber – wir sind da mit dem letzten Artikel ja auch nicht ganz unschuldig – muss ich fragen: Warum mussten für diesen Artikel arme leere Festplattensektoren sterben?

Dies ist im übrigen meine offene Meinung – Dennis Westphal – genau wie der vorherige Artikel die Meinung Jan Martin Groth widerspiegelt. Kein Otto N. im Spiel…

Unwichtig: Alle Jahre wieder versucht das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Rechtfertigung für die Steuergelder, die es verbrennt, zu finden. Die Taktik der letzten Zeit ist jedoch mehr als erbärmlich: Man schnappe sich die letzte bekannt gewordene Sicherheitslücke in einem Microsoft-Betriebssystem und veröffentliche sie auf der eigenen Website. Zwischen dem Bekanntwerden und der Veröffentlichung sollte man aber unbedingt mindestens eine Woche warten – sonst erwarten die Leser noch wirkliche Sicherheitsrecherchen von einem, und das würde ja echte Arbeit bedeuten!

Eine kurze Aufstellung:

Trotzdem möchte ich nicht nur Schlechtes über das BSI berichten. Schließlich hält es uns nicht nur mit brandaktuellen Informationen zu ausgesuchten Sicherheitslücken auf dem Laufenden, sondern speichert auch gleich alle „Protokolldaten“, die bei der Kommunikation mit Behörden anfallen – praktisch, wenn man mal seinen Namen oder sein Gehalt vom letzten Jahr vergisst. Schnell „entpseudonymisiert“ sind diese Informationen komfortabel abrufbar.

Unfassbar: Auch nachdem Bundesverbaucherschutzministerin Ilse Aigner nach geschätzt 10.000 Drohungen nun tatsächlich Ihre Facebook-Mitgliedschaft beendet hat, hört das Rumgeflenne nicht auf. Mal wieder wird Facebook vorgeworfen, gegen den Datenschutz zu verstoßen. Konkretes Problem: Facebook hat eine App zur Synchronisierung von Profil und Handykontakten entwickelt, und nun kommen angeblich Psychologen angelaufen, die sich über den Abgleich der Daten beschweren. Und da ist Frau Aigner natürlich nicht eingefallen, den entsprechenden Leuten mal nahe zu legen, Patientendaten nicht zusammen mit einer Facebook-App zusammen auf einem Handy zu speichern. Hätte wohl auch keine so gute Publicity gegeben. (Wer bei Google nach Ilse Aigner sucht, findet unter den ersten 30 Suchergebnissen gleich 11 mit Bezug auf die Facebook-Thematik.)

Unfassbar ist aber auch, dass nach den Forderungen nach einem besseren Datenschutz bei Facebook gleich wieder seitens öffentlicher Stellen nach einer besseren Möglichkeit den Bürger auszuspionieren geschrien wird – dieses Mal Seitens des BDK. Im speziellen werden auch soziale Netzwerke genannt. Wo bleibt da unsere Verbraucherschutzministerin, wenn es um den Datenschutz bei Facebook geht? Und was ist mit den Finanzdaten, die von uns fast ohne Auskunftsanspruch in den USA gespeichert werden? Ach, ganz vergessen, wenn eine Behörde alles über einen herausfinden kann ist das natürlich ok. Na dann bin ich wohl auch glücklich…

Unfassbar eigentlich, dass es wieder so viel verbalen Müll von Politikern gibt. Mal wieder versucht sich eine Politikerin (ich werde ihren Namen demonstrativ nicht nennen) zu profilieren, indem Sie Computerspiele – oder von der Politik gerne „Killerspiele“ genannt – angreift. Nun aber im speziellen sexuelle Gewalt mit Computerspielen in Verbindung zu bringen, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Einzige Erklärungsmöglichkeit: Die Dame hat selbst erkannt, dass es Eltern, gibt, „die sich kaum dafür interessieren, was ihre Kinder […] ansehen, auf welchen Seiten sie im Netz surfen oder welche Videospiele sie spielen“. Die einfache Rechnung, wie viele potentielle Wähler man bei einer verbalen Attacke auf die Eltern gegenüber einem Angriff auf die Jugendlichen zu Gunsten einer PR-Aktion verlieren würde, hat wohl selbst die CSU-Politikerin durchführen können.

3 Gedanken zu “Uninteressant, unwichtig und unfassbar

  1. Hei Dennis,

    der Call-a-bike-Artikel ist wirklich grauenhaft belanglos… ich hoffe du hast bei meinem Bahn-bashing nicht so sehr gelitten, wie echt eben beim Lesen des FAZ-Blogs.

    Die BSI-Seite ist in der Tat ein schlechter Witz… da ist man mit anderen semi-professionellen Seiten informierter.
    Die “Protokolldaten”, die dieses Amt erheben darf sind ja wohl ein handfester Skandal… ich hatte diesen neusten Streich noch gar nicht mitbekommen.

  2. Zu unfassbar 2: Du zeigst hier eine absolut grandiose Doppelmoral auf: Auf der einen Seite die Datensammelei verteufeln und auf der anderen Seite Zugriff auf die selbigen verlangen…

    Zu unfassbar 3: „Sexuelle Gewalt mit Computerspielen in Verbindung zu bringen“ wird wohl für keinen spiele-erfahrenen Menschen so recht nachvollziehbar sein… Mal wieder neue Hanebüchen, die von wirklich relevanten politischen Themen ablenken sollen… *kopfschüttel*

  3. PS: Die Klemmtrine Beate Merk (!) hat mich schon aufgeregt, als Sie im Februar dem Bischof Mixa beipflichtete, die sexuelle Revolution sei mitursächlich für den sexuellen Missbrauch an Kindern in katholischen Einrichtungen… Ich glaube eher, dass es noch einige Jahrzehnte dauert bis die sexuelle Revolution Bayern erreicht 😛

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