100.000 Durchblicker

Von wegen dumme Deutsche… über 100.000 Menschen durchschauten das große Täuschungsmanöver „Internetfilter gegen Kinderpornographie„.  Dieses Gesetz missbraucht ein wenig kontroverses Feindbild dazu den Behörden einen Freibrief für die Zensur und die Kontrolle des Internets auszustellen.

Aber nicht mit uns! Noch bis zum 16.06 kann man auf der Webseite des Bundestages online die Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten unterzeichnen. Bereits 102.025 Deutsche haben die Regierung durchschaut und unterstützen die Petition (Stand 29.05 11:39).  Verteidigt Informations- und Meinungsfreiheit im Internet! Macht mit!

Spekulanten, oder: Die personifizierte Gier

Jetzt ist Schluss mit lustig… nachdem wir 2006 bis 2008 wirtschaftlich solide Jahre hinter uns haben, geht es nun Abwärts wie noch nie. Die Jahre der schönen Schwindeleien und die Illusion vom sich selbst regulierenden Markt sind vorbei. So richtig dran geglaubt habe ich eh nie. Ein auf Profit ausgerichtetes System, das gleichzeitig ein Mindestmaß an sozialer Gerechtigkeit sichert? Von allein? Mit Beginn der Wirtschaftskrise wurde dem Kapitalismus die Maske vom Gesicht gerissen und entblößte eine hässliche Fratze, die vor Gier und Maßlosigkeit schrie. Ernsthaft hat doch wirklich nie jemand geglaubt, dass der Banker, der an der Börse mit Rohstoffen zockt, sich dafür interessiert, dass die afrikanische Familie sich durch ihn nicht mehr den überlebenssichernden Sack Soja kaufen kann.

Keynes formulierte dies seinerzeit sehr treffend: „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden“. In den letzen Jahrzenten wurde uns das „widerwärtige“ Verhalten der unmoralisch Reichen und Superreichen weniger deutlich, als jetzt, da ihre Investitionen damals zumeist in die Realwirtschaft flossen.

Doch anscheinend lässt sich inzwischen auf dem Finanzmarkt leichter Geld machen. In den letzten Jahren entstanden immer spektakulärere Finanzprodukte, die im Grunde völlig entkoppelt von der Realwirtschaft florierten. Durch diese überwiegend hoch spekulativen Zertifikate, Optionen und Leerverkäufe explodierten die Preise auf den Rohstoffmärkten. Öl, Soja und Reis vervielfachten ihren ursprünglichen Preis. Gewinner: Die Spekulanten. Verlierer: Wir alle! Wie bei allen kurzfristigen Spekulationen wird bei diesen Geschäften kein Gegenwert geschaffen. Kein Unternehmen profitiert davon, wenn ein Investor seine Aktie einen Tag lang hält und dann wieder veräußert. Warum lassen wir dann diese Art der Geschäfte zu?

Ein legitimer Weg gegen diesen Wahnsinn könnte eine angemessene Spekulationssteuer sein. Momentan gibt es bereits eine Solche in Deutschland, doch werden Spekulationsgewinne mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Dass diese Steuer die Skrupellosen nicht vom Börsen-Zocken abhält zeigte zuletzt der Fall des Unternehmers Merckle, der über eine Milliarde Euro mit VW-Aktien verspekulierte und seine Unternehmensgruppe damit in eine tiefe Krise stürzte. Ausbaden dürfen es die Arbeitnehmer, denen Entlassungen und Lohnkürzungen blühen.

Natürlich wäre eine hohe Spekulationssteuer in Deutschland kein Allheilmittel gegen den weltweiten Casinokapitalismus dieses Jahrzehnts. Zumindest würde die (deutsche) Allgemeinheit aber in angemessenen Umfang von den Spekulationsgeschäften mitprofitieren. Die hungernde Familie in Afrika wird’s natürlich nicht trösten…

Traum – Frei

Nach dem Vorbild von Arne und Julian haben wir – Jan und Ich, Dennis – uns nun auch dazu entschlossen, gemeinsam einen Blog zu schreiben. So können wir euch mehr Beiträge liefern, ohne dass die Qualität darunter leiden müsste.

Als Domain passt nun denniswestphal.de natürlich nicht mehr. Daher haben wir uns nach langen Überlegungen (ca. 5 Minuten) auf den Domainamen Traum-Frei.de geeinigt.

Der Name symbolisiert zwei Seiten einer Medaillie: Einerseits träumen wir von einer Welt, in der jeder Mensch frei ist und die gleiche Chance hat, Glück zu empfinden. Andererseits träumen wir aber nicht tagsüber – wir versuchen die Welt frei von einem traumhaften Schleier zu sehen, sie so zu beschreiben wie sie ist, und das aufzuzeigen, was uns aufstößt.

Ich hoffe euch gefällt der neue Domaintitel auch und übergebe damit das Wort für die nächsten Beiträge an Jan, der schon fleißig vorgearbeitet hat und nur noch auf die Zugangsdaten wartet :-)

Die Zensur beginnt

Bei dem leidigen Thema der Einrichtung von Internetfiltern zur „Bekämpfung der Kinderpornografie“ gibt es einen neuen Höhepunkt.

Durch die geplanten Internetfilter – auch häufig als Internetsperren bezeichnet – werden die Anfragen an neue, noch nicht aufgerufene Internetseiten gefiltert und bei Übereinstimmung mit einer Adresse aus einer einseitig vom Bundeskriminalamt erstellten Liste auf eine Stopp-Seite umgeleitet.

Die Argumente des Bundesfamilienministeriums für Internetfilter lesen sich auch einigermaßen einleuchtend:

  • Kinderschutz: Die Sperrung verhindert, dass mit jedem Seitenaufruf die Vergewaltigung eines wehrlosen Kindes fortgesetzt wird.
  • Prävention: Kinderpornografische Bilder im Internet werden gezielt eingesetzt, um potentielle neue „Kunden“ zu werben, Hemmschwellen abzubauen und die Nachfrage systematisch nach immer brutaleren Bildern anzuheizen. Es gilt mit der Zugangssperre bereits den Einstieg zu verhindern.
  • Störung des Massengeschäftes: Kinderpornografie ist ein Millionengeschäft. Mit den Sperrungen wird der kommerzielle Massenmarkt im Internet empfindlich gestört. Wo kein Geld mehr zu verdienen ist, wird organisierte Kriminalität immer weniger lukrativ.
  • Gesellschaftliche Ächtung: Das Sperren dieser Seiten ist ein wichtiges und deutliches Signal aller gesellschaftlichen Kräfte zur konsequenten Ächtung von Kinderpornografie – nicht nur im Internet.(Zitat BMFSFJ)

Leider ist das Ganze aber nicht so schön, wie es sich bei dieser Mitteilung anhört:
Zunächst einmal werden lediglich ca. 75% der Internetnutzer von dem getroffenen Vertrag zwischen dem Bundeskriminalamt und den Providern überhaupt betroffen. Nicht betroffen sind unter anderem Mitarbeiter von Behörden – schließlich würden hier ja interne Regelungen einen entsprechenden Missbrauch der Internetverbindung verbieten. Erstaunlich, dass hier davon ausgegangen wird, dass alle Mitarbeiter von Behörden sich immer an die Regeln halten, der gewöhnliche Bürger dies aber nicht tut…

Ein weiteres Problem bei den „Internetsperren“ liegt darin, dass sie eben genau das nicht sind. Der Zugriff auf die entsprechenden Seiten wird nicht gesperrt, sondern lediglich bei der Auflösung der Domains in IP-Adressen auf die genannte Stopp-Seite umgeleitet. Eine Analogie zur Lösung des Bundesfamilienministeriums verdeutlicht das Problem: Es ist, als würden in allen Telefonbüchern bei den  Namen, die auf des Liste des BKA stehen, die Telefonnummer durch die Nummer des BKA ausgetauscht. Das ist zum einen wenig wirksam, da die betroffenen Pädophilen die Telefonnummern schon kennen oder sie einfach ein anderes Telefonbuch benutzen.

Das „Wechseln des Telefonbuchs“ bzw. die Verwendung eines anderen DNS-Servers ist eine so einfache Sache, dass dieses innerhalb von 27 Sekunden mit wenigen Mausklicks von jedem bewerkstelligt werden kann, der sich ein Video angucken kann. Dennoch sollen laut der Bundesfamilienministerin Von der Leyen nur 20% der Internetnutzer in der Lage sein, die Interfilter effektiv zu umgehen – interessant, wie Von der Leyen den Internetnutzern selbst das kleinste bisschen Intelligenz abspricht.

Aber es kommt noch besser: Von der Leyen trägt jedem seiner Zuhörer auf, sich zu fragen, wen er kennt, der die Sperren umgehen könne; dieser müsse zu den 20% gehören. Wörtlich: „[…]wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft„. Damit schürt Von der Leyen ein Misstrauen der Bürger gegenüber allen technisch versierten Internetnutzer und gibt gleichermaßen zu, dass Pädophile sich nicht von den „Sperren“ abhalten lassen würden.

Was wird denn nun also mit den Internetsperren erreicht?

  • Kinderschutz? Nein, denn Pädophile haben keine Probleme, entsprechende bekannten Seiten zu erreichen.
  • Prävention? Entfällt ebenfalls, die Internetfilter sind so leicht zu umgehen, dass sie niemanden aufhalten würden.
  • Störung des Massengeschäfts? Keine Verminderung der Aufrufe der Seiten, keine Störung.
  • Ächtung? Ja, diese wird erzeugt: Allerdings an der falschen Stelle, nämlich durch die Familienministerin gegenüber allen technisch versierten Benutzern.

Und wer kann diese Internetfilter dann noch gut heißen? Die Opfer von Kindesmissbrauch tun es nicht. Rechtsstaatlich sind die getroffenen Verträge und eine ohne richterlichen Beschluss vom BKA erstellte Liste auch nicht. Die Polizei bräuchte eher Computer-Spezialisten als Internetfilter.

Profitieren wird nur der Staat, der sich schon länger eine Überwachung des Internets wünscht, um unerwünschte Inhalte entfernen zu können. Dass dabei ganz bewusst Fakten manipuliert werden (so ist von einem 111%igem Anstieg von Kinderpornographie die Rede, obwohl nur die Zahl der eröffneten Verfahren gestiegen ist, aber die Tatsache dass sie eingestellt wurden belege ja nicht, dass die Taten nicht begangen wurden)  und Stimmung gemacht wird, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, wird von den Verantwortlich bewusst in Kauf genommen.

Die geplante Stopp-Seite ist ein weiteres Unding: So sollen die Zugriffe auf die Seite überwacht werden und bereits einen Anfangsverdacht zur Aufnahme von Ermittlungen darstellen. Da jedoch alleine durch einen kurzen, für den Benutzer unsichtbaren JavaScript-Code (window.location.href=“http://www.gesperrteSeite.com“) auf einer beliebigen Seite der Benutzer zu einer gesperrten Seite umgeleitet wird, könnten gegen jeden Internetnutzer, der die Internetfilter nicht umgeht, jederzeit Ermittlungen aufgenommen werden. Goodbye Rechtsstaat.

Die Liste der gesperrten Seiten selbst kann schnell sehr umfangreich werden, wie selbst Bundesjustizministerin Zypries zugibt, schnell werden auch Seiten, die urheberrechtlich geschützes Material anbieten auf den „Index“ aufgenommen und Seiten mit unliebsamen Äußerungen eines Konkurrenzunternehmens aus „rechtlichen Gründen“ gesperrt oder unbeliebte politische Äußerungen blockiert. Und da die CSU Kinderpornografie schon mit Computerspielen vergleicht, ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Computerspieleseiten gefiltert werden.

Schließlich versucht man auch das unliebsame gesellschaftliche Element der Computerspieler schon seit einer Weile zu kriminalisieren, die Absage von friedlichen Computerspiele-Wettbewerben nach dem letzten Amoklauf, während Waffenmessen ungehindert statt finden können, zeigt, wie sehr Politiker das öffentliche Bild zu manipulieren versuchen.

Wenn die Internetfilter wie geplant umgesetzt und mit der Zeit durch die Arbeit von Lobbyisten und Politikern verschärft werden, wird der freie Raum Internet der Vergangenheit angehören.

Leben

Kurzgeschichte

Heute morgen ist meine Mutter gestorben.
Sie starb alleine.
In ihrem Wohnwagen.
Ein Freund hatte mich hingefahren, ich wollte Sie besuchen.
Sie hatte einfach aufgehört zu leben.
Schon länger.
So wie mein Vater.
Er ist der Vorstandsvorsitzende eines börsennotierten Unternehmens.
Auch er ist alleine.
Wissende sehen das auf den ersten Blick.
Andere brauchen länger.
Ich werde jetzt da raus gehen.
Ich werde anfangen Fehler zu machen.
Mich nicht zu verstecken.
Und nicht perfekt zu sein.
Denn das ist es, was das Leben ausmacht.
Zu leben.

Demokratie ade

Einmal wieder gibt es einen Anlauf zur Abschaffung der Demokratie: Die Präsidentenkonferenz des europäischen Parlaments hat gestern beschlossen, einem umstrittenen Bericht zur „Harmonisierung des Urheberrechts“ zuzustimmen, das Thema dem Plenum erneut zur Abstimmung vorzulegen, und Änderungsanträge sowie eine angemessene Diskussion dieses mal von vornherein zu verbieten.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass der bekannte Demokratiegegner Nicolas Sarkozy sich mit seiner ersten Schlappe, bei der das Parlament ihm (und den zahlreichen Lobbygruppen) bereits die Zustimmung zu abgestuften Internetsperren verweigert und statt dessen die Förderung rechtmäßiger Inhalte gefordert hat, nicht abfinden würde. Klar wurde das spätestens, nachdem Sarkozy nach seiner Niederlage den Komissionschef Barroso persönlich um Streichung des auf demokratischen Weges erzielten Zusatzes 138 zur Verhinderung von Internetsperren gebeten hat (Orginalbrief).

Die Wikipedia stellt an demokratische Entscheidungen sechs Anforderung:

  1. Gleichheit, das Recht von jedem, an Wahlen teilzunehmen. Sehen wir dies bei den demokratisch gewählten Vertretern des Parlaments mal als gegeben an.
  2. Freiheit, also eine Abstimmung ohne Zwang und mit ausreichend Zeit. Was ist also mit den Lobbygruppen, die mit Arbeitsplatzabbau drohen um Einfluss auszuüben? Gibt es hier nicht vielleicht schon einen Verstoß? Und wie sonst sollte man Sarkozys manipulierenden Brief an den EU-Kommisionspräsidenten beschreiben?
  3. Informationsfreiheit. Ja, dafür gibt es sogar ein Gesetz in der Europäischen Union. Dumm nur, dass es nicht zum Einsatz kommt, wenn die Interessen von „Dritten“ (auch eine nette Umschreibung für Lobbygruppen) ansonsten bedroht wären. So geschehen bei den aktuellen ACTA-Verhandlungen, aber dazu später mehr.
  4. Meinungsfreiheit – Ohne freie Äußerungen oder Änderungsanträge? Nein, für die Präsidentenkonferenz ist die Meinungsfreiheit nur ein uneingeladener Gast, der schnellstmöglichst aus dem Weg geräumt werden muss.
  5. Aktives Wahlrecht, die Möglichkeit jeder Person, bei Personalentscheidungen zu kandidieren, dürfte auch gegeben sein.
  6. Alternativen: Ja, wo bleiben die Alternativen? Die, die eigentlich schon demokratisch beschlossen wurden? Die Änderungen, die an Sarkozys ursprünglichem Plan der Unterwerfung der EU-Bürger der Willkürsjustiz der Musikindustrie beschlossen wurden? Sie stehen bei der Abstimmung draußen vor der Tür und dürfen nicht hinein.

Wow, die EU erfüllt ganze zwei Kriterien von sechs bei der Entscheidungsfindung. Na, da können wir ja froh sein, dass wir zumindest 33% Demokratie haben, meint ihr nicht?!?!???

Naja, immerhin dient die EU den Zwecken ihrer Bürger; versucht sie vor schädlichen Einflüssen von außen zu bewahren: Da wären zum Beispiel die Plagiate aus Ländern wie China oder Russland, die europäischen wie amerikanischen Firmen das Geschäft versauen. Damit soll jetzt Schluss sein, denn das ist das Ziel von ACTA, sagt die EU-Komission. Blöd nur, dass ACTA ein freiwilliger Vertrag zwischen einzelnen Ländern ist. Und jetzt ratet mal, wer nicht an den Verhandlungen teilnimmt? Richtig, Russland und China.

Aber welchem Zweck kann ACTA dann dienen? Naja, es gibt ja das Informationsfreiheitsgesetz, und wenn es den Bürgern der EU dient, müsste man ja mit einer einfachen Anfrage das in Erfahrung bringen können, richtig? Falsch. Die EU versteht es hier mal wieder hervorragend, ihre eigenen Gesetze so zu verdrehen, dass sie selbst davon nicht betroffen ist. Die Anfrage eines Mitarbeiters des FFII wurde einfach abgelehnt. Eine Herausgabe der Informationen könnte den Interessen der EU oder Dritter schaden, heißt es in der Begründung. Aber wenn das ein Vertrag ist, der Bürger der EU schützen soll, warum sollten eben jene Bürger dann nicht den Inhalt des Vertrages zu sehen bekommen?

Die Antwort ist wie so häufig ganz einfach. Der Vertrag dient tatsächlich einem gewissen Anteil von Bürgern der EU: Die Musik- und Filmindustrie wird sich freuen, wenn ihre zahlreichen (teils gescheiterten) Versuche, die Rechte der Bürger zu beschneiden um sie so weit wie möglich für Film- und Musikkosten ausquetschen zu können, nun von einem bindenden Vertrag unterstützt werden. Und das ohne das ganze nervige Demokratiegeraffel. Dann muss man sich auch keine Mühe machen, alternative, benutzerfreundliche Modelle zu entwickeln, um mit immateriellen Rechten Geld zu verdienen, sondern kann sich bequem zurück lehnen und die Arbeit weiter von Anwälten erledigen lassen.

Ein weiteres Mal hat sich die Investition in Lobbygruppen gelohnt. Musik-und Filmindustrie gehen weiter mit ihren „Freunden“ den mit Geld gepflasterten Weg. Irgendwo am Straßenrand bleibt dabei ein unscheinbares Etwas auf der Strecke, dass man dank des grellen, bunten Zieles gar nicht weiter beachtet. Leise wimmert die Demokratie am Straßenrand, doch sie weiß: Es gibt ein Wiedersehen. Und es wird laut.

Grimmmenschen

Ich möchte heute einmal über Grimmmenschen schreiben. Das sind für mich die Sorte von Menschen, die morgens schlecht gelaunt aufstehen, tagsüber schlecht gelaunt herum laufen, und abends schlecht gelaunt ins Bett gehen. Mir ist heute auf dem Weg zur Arbeit wieder so ein Mensch begegnet, der scheinbar schon seit Geburt an mit Grimmfalten (das sind vor allen Dingen zwei vertikale Falten über der Nase) gezeichnet ist.

Grimmmenschen antworten nur, wenn es ihnen als unbedingt nötig erscheint. Das im Halbschlaf gemurmelte „Guten Morgen“ komplett zu ignorieren gehört zu der Grundausbildung, wenn man ein Grimmmensch werden will.

Wie geht man also mit Grimmmenschen um? Ich habe mir hierzu zwei Handlungsweisen überlegt, nennen wir sie der Einfachheit halber den Antigrimm und den Übergrimm.

Der Antigrimm lächelt jeden Grimm, sobald er ihn erblickt, so freundlich er nur kann an; jede Begrüßung und Kommunikation mit dem Grimm wird er überschwenglich freundlich und laut durchführen. Der Grimm hat bei einer lauten, freundlichen Begrüßung gar keine andere Wahl, als zumindest gemurmelt zu antworten. Den Ärger darüber, diesen Akt der Freundlichkeit am eigenen Leib zu erfahren, wird ihn vermutlich nur noch grimmiger machen.

Der Übergrimm versucht den Grimm in seiner Grimmigkeit noch zu übertrumpfen. Man stelle sich einfach einen frei laufenden Grimm vor, der neben sich auf einmal jemanden entdecken muss, der noch grimmiger als er selbst ist und ihn seiner Individualität beraubt. Die Reaktionen dürften amüsant sein.

Ich werde ich den nächsten Wochen einmal beide Möglichkeiten versuchen und dann von den (hoffentlich interessanten) Ergebnissen berichten.

Drei Wünsche

Gestern habe ich mir (angestoßen durch eine Textpassage in Andrzej Sapkowski’s „Der letzte Wunsch“) einmal wieder die Frage gestellt, die sich wahrscheinlich jeder schon einmal gestellt hat: Wenn ich drei Wünsche frei hätte, was würde ich mir wünschen?

Das Finden von drei Antworten dauerte allerdings etwas länger, eigentlich sinnlos zu versuchen, jeden Wunsch in Gedanken perfekt auszuformulieren. Aber da ich sowieso nichts anderes zu tun hatte als das und auf das Einschlafen vor der Wirtschaftsrechts-Klausur zu warten, tat ich es.

Das einzig Interessante am Ergebnis war eigentlich, dass es mir bis zum letzten Wunsch (bis NACH dem letzten Wunsch, um genau zu sein) nicht eingefallen ist, mir etwas für viele Menschen nützliches zu wünschen. Sicher, hätte mich jemand gefragt, was ich mit drei Wünschen machen würde, wäre sicher etwas zum Weltfrieden oder zur Beseitigung von Armut aus mir herausgeblubbert.

Aber in den Gedanken ist ja niemand, an den man denken oder vor dem man sich rechtfertigen muss, also habe ich so egoistisch gedacht, wie man es sich nur vorstellen kann.

Ich finde, dieser Egoismus ist eine angeborene Sache des Menschen, ein Psychologe hätte hier vielleicht auch Details zu; ich schiebe es einfach mal auf den Selbsterhaltungstrieb, der uns zuerst an uns selbst denken lässt. Was ich für mich aus der ganzen Sache erkannt habe, ist, dass wohl jeder diesen angeborenen Egoismus hat, aber kaum jemand bereit ist, dass auch zuzugeben.

Also will ich für mich einmal den ersten Schritt machen: Ich habe einen Egoisten in mir. Das heisst: Ein Teil von mir ist Egoist. Ein anderer Teil ist es nicht. Ich hoffe, dass sich die beiden Teile wenigstens die Waage halten können.

Welch ein Glück, alles bricht zusammen

Und wieder gibt es einen Beitrag über das Radio. Um genau zu sein, sind es eigentlich zwei: Über das eine Thema, den Umgang des Radios mit der Finanzkrise, wollte ich eigentlich schon früher schreiben, das andere hat mich heute morgen mal wieder eingeholt: Glücks- oder Gewinnspiele im Radio. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, dass sich das Phänomen des Fernsehens – immer kleinere Preise bei gleichen Anrufskosten – auch auf dieses beschränkt, doch ist dem offensichtlich nicht so. Im Radio kann man ab jetzt einen unfassbaren Preis gewinnen: Ein Buch! Wunderbar, dachte ich mir, die Möglichkeit unter zehntausenden Anrufern (die alle 14 Cent pro Anruf zahlen und dem Radiosender so zu mehreren tausend Euro verhelfen) derjenige zu sein, der ein ganzes Buch gewinnt, habe ich mir schon immer gewünscht! Aber dann kam der Haken: Das Buch darf ich mir als glücklicher Gewinner gar nicht selbst aussuchen – es ist einfach ein willkürlich nach meinem Nachnamen gewähltes Buch. Also habe ich mir die 14 Cent lieber gespart.

Unbeliebt gemacht hat sich das Radio bei mir aber auch schon vorher; inzwischen dürften jedoch alle bereits reichlich über das Thema Finanzmarktkrise informiert sein, weshalb ich dieses Mal nur die Kurzform schreibe.

Meiner Meinung nach gibt es zwei große Probleme, die zu der aktuellen Krise geführt haben. Zum Einen das Unvermögen der Banken, mit dem Geld anderer Leute verantwortungsbewusst zu wirtschaften. Zum Anderen Medien, die mit der Angst der Menschen spielen. Auf den zweiten Punkt möchte ich genauer eingehen.

Medien sind glücklich, wenn in der Welt etwas schlecht läuft, denn dann ist es einfacher, „tiefschürfende“ Artikel zu schreiben, die auf allgemeines Interesse stoßen. Einige Zeitungsblätter leben sogar ausschließlich davon, mit skandalträchtige Artikeln das Interesse des potentiellen Lesers zu wecken. Genau so ist es auch bei der Finanzmarktkrise gelaufen: Banken haben Probleme, Medien schlachten das Thema aus, schüren die Angst der Leser und steigern durch das gestiegene Informationsinteresse ihre Abnahmezahlen. Ein weiterer, von den Medien in Kauf genommener Effekt der verursachten Angst liegt darin, dass Bürger anfangen, ihr Geld von den Banken abzuheben und somit die Situation der Banken weiter zu verschlechtern.

Das hat auch die Politik erkannt, so dass Frau Merkel sich genötigt sah, ein Versprechen abzugeben: Sie versprach, dass die Einlagen der Bürger bei den Banken sicher sind; dass im Zweifel der Staat für die Einlagen aufkommen werde. Dies tat sie wohl in der Hoffnung, damit die von den Medien verursachte Angst zu verringern und den Run auf die Spareinlagen zu stoppen. Im Radio wurde nun mit der Bekanntgabe des Versprechens es mit eben jenem nicht eingehaltenen Versprechen von Norbert Blüm („Die Renten sind sicher“) verglichen. Das ist in dieser Situation für die Volkswirtschaft wohl das schädlichste, dass der Radiosender machen konnte. Der Versuch der Politik, die von den Medien verursachten Schäden zu beheben wird bombardiert, und wofür? Nur für etwas höhere Einschaltquoten.

Ich bin gespannt, ob im Rückblick die Masse der Menschen ebenfalls zu diesen Schlüssen kommt. Dann könnte dies nämlich übel für die Medien ausgehen, Glück für sie, dass der Scheiterhaufen abgeschafft wurde.

Trauerstunde

Zehn Minuten sind wieder vorbei, und der Wecker ruft, er ruft mit der Top-Nachricht des Tages: Thomas Dörflein ist tot. Thomas Dörflein? Wer zum Teufel ist das? Gut, dass das Radio es im zweiten Satz noch dahinter hängt: Thomas Dörflein, der Pfleger von Knut. Schön, wenn man selbst nach seinem Tod auf eine einzige Rolle, auf einen einzigen Aspekt des Lebens reduziert wird. Die scheinheilige Stimme des Radiomoderators kann nicht verbergen, dass dieser Mensch – zusammen mit dem Tier, dass er betreut – medienwirksam ausgenommen wurde. Das hat wohl auch die Redaktion des Radiosenders gemerkt, kurzerhand den Praktikanten in die Fußgängerzone geschickt und wohl willkürlich Menschen gefragt, was sie von dem Tod von Thomas Dörflein, dem Pfleger von Knut, halten. Die Antworten waren nicht sehr erstaunlich: Von „Das ist wirklich traurig“ über „Das ist aber schade“ zu „Der hat sich doch immer so gut um den Knut gekümmert“. So wie das mehrere tausende Tierpfleger in Deutschland täglich tun. Doch haben die Menschen Interesse an derem Schicksal? Nein. Und ich behaupte, ein wirkliches Interesse an Thomas Dörflein gibt es auch nicht. Dennoch wird das Thema ausgeschlachtet, für billige Schlagzeilen; nicht nur die Bild-Zeitung berichtet, sondern auch Blätter wie die FAZ lassen es sich nicht nehmen, auf den Zug aufzuspringen. Dass Dörflein das gewollt hat, wage ich zu bezweifeln.